Diabetes und Zähne: Wie Zucker Ihrem Körper schadet


Mehr als 7 Mio. Menschen leiden in Deutschland unter Diabetes mellitus, umgangssprachlich Diabetes oder Zuckerkrankheit. Was viele nicht wissen: Die Zahngesundheit und Diabetes stehen in einer engen Wechselbeziehung zueinander. Unbehandelte Zahnerkrankungen verschlimmern den Diabetes und können die Therapie erschweren. Erfahren Sie hier, dass

 

  • Diabetespatienten ein 3-fach höheres Risiko besitzen, Parodontitis zu entwickeln.
  • Zahnerkrankungen unter Umständen die Entstehung von Diabetes begünstigen.
  • Sie durch regelmäßige und gründliche Mundhygiene Zahnbeschwerden wirksam vorbeugen.

Wie entsteht Diabetes?

 

Diabetes mellitus ist eine chronisch verlaufende Stoffwechselkrankheit. Sie wird durch Insulinmangel verursacht. Das Insulin ist dafür verantwortlich, den Blutzuckerspiegel im Gleichgewicht zu halten. Fehlt es, steigt der Blutzuckerspiegel an und beeinträchtigt dauerhaft die Allgemeingesundheit. Der erhöhte Zuckeranteil im Blut beschädigt die Gefäße und verursacht Gefäßkrankheiten. Anzeichen für Diabetes sind:

 

  • Häufiger Harndrang
  • Starker Durst
  • Müdigkeit
  • Gewichtsverlust
  • Schlecht heilende Wunden

Diabetes Typ 1

 

Diabetes Typ 1 ist genetisch bedingt. Auch Umweltfaktoren spielen eine Rolle bei der Entstehung der Erkrankung. Diabetes Typ 1 tritt meist bei Kindern und Jugendlichen auf. Bei dieser Autoimmunerkrankung greift der Körper die eigenen insulinproduzierenden Zellen an und zerstört sie. Die Folge: Insulinmangel. Die Körperzellen nehmen nicht mehr genug Zucker auf. So gelangt der überschüssige Zucker ins Blut.

Diabetes Typ 2

 

Diabetes Typ 2 wird auch Altersdiabetes genannt. Die Erkrankung entwickelt sich meist erst im Lauf des Lebens. In Verbindung mit mangelnder Bewegung können Auslöser sein:

 

  • Ernährungsstörungen
  • Übergewicht
  • Bluthochdruck
  • Fettstoffwechselstörungen

 

Diese Faktoren führen dazu, dass Insulin eine verringerte Wirkung hat. Anfällig für Diabetes Typ 2 sind auch Menschen, bei denen das Insulin nur langsam wirkt oder deren Körper weniger empfindlich reagiert.

Zahngesundheit und Diabetes: Diese Zusammenhänge gibt es

 

Wie auch bei den Erkrankungen Rheuma und Osteoporose besteht eine Beziehung zwischen Diabetes und der Zahngesundheit. Am häufigsten verursacht Diabetes Parodontitis und Karies. Auslöser sind die Diabetessymptome hoher Blutzuckerspiegel und Mundtrockenheit.

Parodontitis und Diabetes

 

Parodontitis ist eine Entzündung des Zahnhalteapparats. Aggressive Bakterien im Zahnbelag rufen die Erkrankung hervor. Durch die angesammelten Bakterien können sowohl das Zahnfleisch als auch der Kieferknochen dauerhaft erkranken.

 

Verglichen mit Gesunden haben Diabetiker ein 3-fach erhöhtes Risiko für Parodontitis. Die Gründe dafür liegen in der Einstellung des Blutzuckers. Ist dieser über eine längere Zeit zu hoch, verringert sich die Blutversorgung im Zahnfleisch. Das schädigt die Blutgefäße. Die Folge ist eine Unterversorgung des Zahnfleischs mit Sauerstoff und Nährstoffen.

 

Zusätzlich ist bei Diabetikern das Immunsystem geschwächt. Der Körper wehrt Bakterien dann nur schlecht ab, wodurch sie sich auf dem Zahnfleisch verbreiten können. Ohne Behandlung entsteht daraus eine chronische Zahnfleisch- und Kieferknochenentzündung (Parodontitis).

 

Doch Diabetes wirkt sich nicht nur negativ auf die Zahngesundheit aus. Andersherum beeinflusst auch Parodontitis den Krankheitsverlauf des Diabetes: Die angesammelten Bakterien im Zahnfleisch gelangen durch die Entzündung ins Blut. Dadurch gerät der Blutzuckerspiegel ins Ungleichgewicht, und die Wirkung des Insulins reduziert sich. Das behindert die Einstellung Ihres Blutzuckerspiegels, was wiederum die Parodontitis verschlimmert.

 

Ein gut eingestellter Blutzuckerspiegel dagegen wirkt sich positiv auf Zähne und Zahnfleisch aus. Das Zahnfleisch ist weniger belastet. So wehrt Ihr Körper Bakterien besser ab. Dadurch regeneriert sich der Zahnhalteapparat leichter. Auch auf die Behandlung einer Parodontitis wirkt sich ein guter Blutzuckerspiegel aus. Langfristig ist die Parodontitistherapie mit besseren Blutzuckerwerten vielversprechender und erfolgreicher.

Typische Warnzeichen einer Parodontitis

 

Oft entwickelt sich eine Parodontitis fast unbemerkt. Sie erkennen die Schäden meist zu spät. Umso schwerwiegender die Folgen. Um die Anzeichen der Krankheit frühzeitig zu erkennen, sollten Sie auf folgende Symptome achten:

  • Regelmäßiges Zahnfleischbluten
  • Stark gerötetes und geschwollenes Zahnfleisch
  • Schlechter Geschmack im Mund oder Mundgeruch
  • Übermäßiger Zahnbelag bzw. Zahnstein
  • Zahnfleischrückgang
  • Schmerzempfindlichkeit der Zähne
  • Lockerung einzelner Zähne

 

Sollten Sie diese Warnzeichen bei sich feststellen, gehen Sie gleich zum Zahnarzt. Er berät Sie und behandelt die ersten Symptome. Damit lässt sich der rasante Krankheitsverlauf aufhalten.

Folgen der Nichtbehandlung

 

Wenn Sie Ihre Parodontitis nicht behandeln lassen, schreitet sie schneller voran. Die Entzündung des Zahnfleischs verschlimmert sich und dringt in tiefere Gewebeschichten vor. Dabei werden Bindegewebe und Kieferknochen zerstört. Die Zähne lockern sich. Im schlimmsten Fall kommt es sogar zu Zahnverlust.

 

Achtung: Eine unbehandelte Parodontitis ist gefährlich für die Allgemeingesundheit von Diabetikern. Die Parodontitiserreger im Blutkreislauf können überall im Körper Entzündungen auslösen. Durch die beschädigten Blutgefäße, die die Organe versorgen, erhöht sich das Risiko für Herz-, Nieren-, Augen- und Nervenerkrankungen. Mögliche Folgen: Herzinfarkt und Schlaganfall. Das erhöht die Sterblichkeit von Diabetikern.

 

Wichtig: Nehmen Sie Parodontitis auch dann ernst, wenn Sie keinen Diabetes haben! Denn Gesunde können infolge einer Parodontitis an Diabetes mellitus erkranken: Entzündungen im Mundraum beeinflussen auch bei ihnen die Wirkung des Insulins. Die verschlechterten Blutzuckerwerte führen dann möglicherweise zur Erkrankung.

Karies und Diabetes

 

Karies entsteht durch Bakterien in der Mundhöhle und auf Zahnbelägen. Diese bauen den aufgenommenen Zucker ab und sondern dabei Säuren als Stoffwechselprodukt ab. Die Säuren greifen den Zahnschmelz an, wodurch sich Mineralien aus den Zähnen lösen. So entstehen Löcher im Zahn.

 

Diabetiker haben ein erhöhtes Kariesrisiko. Durch die bei Diabetespatienten typische Mundtrockenheit ist nicht genug Speichel vorhanden. Da die Mineralien des Speichels fehlen, schützt der Speichel Zahn und Zahnfleisch nicht ausreichend. Kleine Zahnschäden werden nicht repariert.

 

Ein weiteres Problem sind die Zwischenmahlzeiten, die Diabetiker benötigen, um ihren Blutzucker zu regulieren. Dabei verzehren sie oft kariogene Lebensmittel, die wegen ihres hohen Zuckergehalts Karies verursachen. Bei einer Unterzuckerung erhöht sich damit der Blutzucker. Dadurch vermehren sich Bakterien auf dem Zahnbelag leichter. Infolgedessen nimmt die schädliche Säureproduktion zu. Das Kariesrisiko steigt.

7 Tipps für gesunde Zähne für Diabetiker

 

Vorbeugung ist das A und O für Ihre Zahngesundheit. Als Diabetiker sind Sie besonders gefährdet. Daher sollten Sie aufmerksam mit diesem Thema umgehen. Hier finden Sie einige Tipps, die Sie unbedingt beachten sollten:

 

1. Gehen Sie regelmäßig (ein- bis 2-mal im Jahr) zu Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt. Auch, wenn Sie nicht unter Beschwerden leiden. So lassen sich Schäden an Ihren Zähnen frühzeitig feststellen und behandeln.

2. Nehmen Sie eine professionelle Zahnreinigung in Anspruch. Lassen Sie diese 2- bis 4-mal im Jahr vornehmen, je nach Karies- und Parodontitisanfälligkeit. Damit reduzieren sich Entzündungen und die Zahl der Bakterien im Mund.

 

3. Achten Sie auf Ihre eigene Mundpflege. Putzen Sie 2-mal täglich Ihre Zähne. Verwenden Sie dazu fluoridhaltige Zahnpasta, die die Zähne härtet. Benutzen Sie zusätzlich Zahnseide und Zwischenzahnbürsten. Auch eine antibakteriell und antientzündlich wirkende Zahncreme wirkt unterstützend. So entfernen Sie Zahnbeläge und Bakterien, die Entzündungen auslösen.

4. Kauen Sie nach Zwischenmahlzeiten zuckerfreie Kaugummis. Dies regt den Speichelfluss an, wodurch Säuren auf den Zähnen neutralisiert werden. Damit senkt sich das Karies-Risiko und Ihre Zähne bleiben gesund.

 

5. Trinken Sie viel Wasser. Auch durch ausreichend Flüssigkeit im Körper, reduzieren Sie Mundtrockenheit. So kann der erhöhte Speichelfluss Ihre Zähne besser vor Angriffen schützen.

 

6. Kontrollieren Sie Ihren Blutzuckerwert regelmäßig. Mit einem gut eingestellten Blutzuckerspiegel senken Sie das Risiko einer Parodontitis erheblich. Es entspricht dann etwa dem eines gesunden Menschen.

 

7. Ernähren Sie sich gesund und bewegen Sie sich regelmäßig. Die richtige Ernährung bei Diabetes wirkt sich positiv auf Ihre Blutzuckerwerte aus. Somit verbessern Sie nicht nur Ihre Zahngesundheit, sondern auch Ihren Allgemeinzustand.

Fazit

 

Als Diabetiker sollten Sie ganzheitlich auf Ihren Körper achten. Auf lange Sicht kann Diabetes Ihren Zähnen schaden und sich massiv auf Ihr Zahnfleisch auswirken. Planen Sie deshalb regelmäßige Zahnarztbesuche ein und betreiben Sie intensive Mundpflege. Mit einem gesunden Mund kontrollieren Sie auch Ihren Diabetes: Je gesünder die Zähne, desto besser der Blutzuckerspiegel.