Unfall mit Personenschaden: So leisten Sie korrekt Erste Hilfe


Handlungsanweisungen nach einem Verkehrsunfall mit Personenschaden

 

Verkehrsunfälle sind häufig nicht nur mit Materialschäden, sondern mit Verletzungen und sogar Todesfällen verbunden. Sofortmaßnahmen im Rahmen der Ersten Hilfe können lebensrettend sein. Viele Menschen zögern jedoch, Erste Hilfe zu leisten. Einerseits haben sie Angst, Fehler zu begehen. Andererseits kennen sie oft die Schritte der Rettungskette nicht.

In diesem Ratgeber lernen Sie die einzelnen Schritte bei einem Unfall mit Personenschaden kennen. Zusätzlich bekommen Sie eine Anleitung zum richtigen Verhalten an der Unfallstelle. Im Zentrum steht dabei die Erste Hilfe.

Rechtliche Grundlagen der Erstversorgung

 

Grundsätzlich ist jede Person in Deutschland dazu verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten. Ganz gleich, ob sie an dem Unfall beteiligt ist oder nicht. Unterlassene Hilfeleistung ist eine Straftat (§ 323c StGB) und kann mit einer Geld- und sogar Freiheitsstrafe geahndet werden. Zudem sind Punkte in Flensburg möglich.

Allerdings sind Sie nicht zu Erster Hilfe verpflichtet, wenn dadurch Ihre eigene Sicherheit gefährdet wird. Befindet sich beispielsweise ein Unfallopfer in einem brennenden Auto, sind Sie nicht verpflichtet, es aus dem Auto zu befreien. Würde durch die Erste Hilfe die Aufsichtspflicht verletzt, entfällt ebenfalls die Hilfspflicht.

Für falsch durchgeführte Erste Hilfe können Sie nicht belangt werden: Sofern Sie nicht bewusst oder grob fahrlässig falsch handeln, können Sie für die Folgen der Ersten Hilfe nicht zur Verantwortung gezogen werden. Entstehen bei der Erstversorgung Sachschäden, sind Sie zudem versichert. Gut zu wissen: Für den entstandenen Schaden sind Sie nicht haftbar.

Um sich im Notfall der richtigen Maßnahmen bewusst zu sein, sollten Sie Ihre Fähigkeiten im Rahmen eines Erste-Hilfe-Kurses alle paar Jahre auffrischen.

Der Entscheidungsbaum zeigt die einzelnen Schritte der Ersten Hilfe:

Die Unfallstelle absichern

 

Nach einem Unfall gilt es zunächst, die Unfallstelle abzusichern. Dies dient sowohl Ihrer eigenen als auch der Sicherheit der anderen Verkehrsteilnehmer. Eine unzureichend abgesicherte Unfallstelle kann zu tödlichen Folgeunfällen führen, vor allem auf der Autobahn.

Damit der nachfolgende Verkehr auf die Gefahrenstelle aufmerksam gemacht wird, schalten Sie die Warnblinkanlage des Autos ein und stellen Sie ein Warndreieck in ausreichender Entfernung vom Unfallort auf. Je nach Ortslage sollte das Warndreieck mindestens 100 Meter von der Unfallstelle entfernt platziert werden. Auf der Autobahn kann der Abstand zwischen 200 und 400 Meter betragen. Befindet sich die Unfallstelle hinter einer Kurve oder einem Hügel, gehört das Warndreieck davor. In jedem Fall müssen Sie eine Warnweste tragen.

Einen Überblick über die Unfallstelle verschaffen

 

Bevor Sie den Notruf wählen oder Erste Hilfe leisten, sollten Sie sich einen Überblick über die Unfallstelle verschaffen: zum einen, um dem Rettungsdienst die relevanten Informationen liefern zu können. Zum anderen ist es so besser möglich, gezielt Erste Hilfe zu leisten.

Zunächst sollten Sie die Unfallstelle danach untersuchen, wie viele Personen verletzt sind und wie schwer diese Verletzungen sind. Prüfen Sie zusätzlich, inwieweit die Verletzten noch aus einem Auto befreit werden müssen und ob das gefahrlos möglich ist. Befinden Sie sich alleine am Unfallort, entscheiden Sie nach der Schwere der Verletzungen, wer zuerst Erste Hilfe benötigt. Sind mehrere Personen an der Unfallstelle, koordinieren Sie die Hilfe. Das spart wertvolle Zeit.

Den Notruf wählen (112)

 

Haben Sie sich einen Überblick verschafft, wählen Sie sofort den Notruf. Deutschland- und europaweit lautet die Notrufnummer 112. Über den Rettungsdienst werden gleichzeitig Polizei und Feuerwehr informiert. Wichtig ist, dass Sie dem Rettungsdienst während des Telefonats kurz, aber präzise alle relevanten Informationen liefern.

Orientieren Sie sich an den W-Fragen:

 

  • Wo hat der Unfall stattgefunden?
  • Was ist genau passiert?
  • Wie viele Personen wurden verletzt?
  • Welche Verletzungen liegen vor und wie schwer sind diese?


Legen Sie danach nicht auf, sondern bleiben Sie für eventuelle Fragen des Rettungsdiensts am Telefon. Allerdings nur, wenn die Verletzungsart der Unfallopfer es zulässt: Ist eine Person nicht mehr ansprechbar und eine Wiederbelebung nötig, leiten Sie diese sofort nach dem Notruf ein. Denn jede Minute kann über Leben und Tod entscheiden.

Erste Hilfe: Die wichtigsten Sofortmaßnahmen

 

Abhängig vom Zustand des Verletzten sind konkrete Erste-Hilfe-Maßnahmen erforderlich. Grundsätzlich sollten Sie zuerst die Verletzungen versorgen, die am lebensbedrohlichsten sind.

Wichtig: Kontrollieren Sie, ob die Person bei Bewusstsein ist. Wenn ja, helfen am Unfallort verschiedene Sofortmaßnahmen bei der Versorgung. Ist die Person bewusstlos, prüfen Sie, ob die Atmung funktioniert. Wenn nein, beginnen Sie durch Beatmung und Herzdruckmassage mit der Wiederbelebung.

Sofortmaßnahmen: Unfallopfer ist nicht ansprechbar

 

Gelangt das Unfallopfer weder durch Ansprache noch durch leichtes Rütteln zu Bewusstsein, prüfen Sie unbedingt, ob die Atmung funktioniert. Atmet der Verletzte, bringen Sie ihn in eine stabile Seitenlage. Atmet er nicht, leiten Sie im Rahmen der Ersten Hilfe die Wiederbelebung ein.

Atmung funktioniert: Stabile Seitenlage ausführen

 

Die stabile Seitenlage verhindert, dass die Atemwege durch Blut oder Erbrochenes blockiert werden und der Verletzte erstickt. So geht’s:

 

  1. Legen Sie den Verletzten auf den Rücken und strecken Sie seine Beine gerade aus. Knien Sie sich neben den Verletzten, packen Sie dessen nahen Arm und legen Sie diesen angewinkelt nach oben. Dabei soll die Handinnenfläche ebenfalls nach oben zeigen.
  2. Greifen Sie das Handgelenk des Ihnen fernen Arms, kreuzen Sie den Arm auf der Brust und legen Sie die Handoberfläche auf die Wange der Seite des nahen Arms. Halten Sie das Handgelenk fest umschlossen.
  3. Packen Sie den Oberschenkel des Ihnen fernen Beins und beugen Sie das Bein.
  4. Ziehen Sie den Bewusstlosen nun am Oberschenkel zu sich. Platzieren Sie den Oberschenkel des obenliegenden Beins dabei in einem rechten Winkel zur Hüfte. Der Kopf liegt nun auf der Handoberfläche und wird leicht nach hinten geneigt, damit der Atemweg frei bleibt. Öffnen Sie zusätzlich leicht den Mund des Verletzten.

Keine Atmung: Wiederbelebungsmaßnahmen einleiten

 

Atmet der Bewusstlose nicht oder nur unregelmäßig, führen Sie eine Herzdruckmassage durch: Knien Sie sich in Höhe des Brustkorbs neben ihn und legen Sie beide Hände auf die Mitte des Brustkorbs. Der Handballen der einen Hand liegt dabei auf dem Brustkorb, während diese durch die andere Hand stabilisiert wird. Drücken Sie nun 30 Mal auf den Brustkorb, ca. 4 bis 5 Zentimeter tief. Führen Sie dem Verletzten dann 2 Mal durch den Mund oder die Nase Atemluft zu.

Die Reanimation muss so lang dauern, bis der Verletzte wieder regelmäßig atmet oder der Rettungsdienst eintrifft. Atmet er wieder regelmäßig, bringen Sie ihn in eine stabile Seitenlage.

Sofortmaßnahmen: Unfallopfer ist ansprechbar

 

Ist das Unfallopfer hingegen bei Bewusstsein und ansprechbar, sollten Sie vorrangig seine Verletzungen versorgen. Das geht mit dem Erste-Hilfe-Kasten, der in jedem Auto Pflicht ist.

Allerdings können Sie nicht bei jeder Verletzung Erste Hilfe leisten. Knochenbrüche beispielsweise lassen sich am Unfallort nicht versorgen. Was Sie tun können: Bringen Sie den Verletzten bei der Erstversorgung in eine Position, in der Brüche keinen zu starken Schmerz hervorrufen. Bei Wirbelsäulenbrüchen, wie sie häufig nach Motorradunfällen auftreten, sollten Sie den Verletzten nach Möglichkeit nicht bewegen. Den Helm sollten Sie beispielweise nur abnehmen, wenn der Verletzte nicht atmet und Sie ihn reanimieren müssen.

Wundversorgung

 

Versorgen Sie blutende Wunden, um zu starken Blutverlust zu verhindern. Legen Sie dafür eine Wundauflage auf und umwickeln Sie die Wunde mit einer Binde. Legen Sie anschließend eine zusammengerollte Binde auf den Wundverband und fixieren Sie diese, indem Sie sie mit der offenen Binde umwickeln. Mit einem solchen Druckverband lassen sich Blutungen stoppen. Tragen Sie bei der Wundversorgung unbedingt Handschuhe, um eine Infektion der Wunde zu vermeiden. Alle Hilfsmittel befinden sich im Verbandskasten.

Temperaturregulierung

 

Durch zu starken Blutverlust, Schock oder die Außentemperatur kann es zu einem gefährlichen Abfall der Körpertemperatur kommen. Aber auch zu starke Sonneneinstrahlung kann sich negativ auf den Verletzten auswirken. In jedem Verbandskasten im Auto befindet sich deshalb eine Rettungsdecke. Die silberne Seite schützt vor Kälte, die goldene vor Wärme. Wenden Sie die passende Seite nach innen und umwickeln Sie die Person vollständig.

Schocklinderung

 

Ein Unfall führt nicht nur zu körperlichen Schäden, sondern ist auch eine erhebliche psychische Belastung. Viele Unfallopfer stehen deshalb nach einem Unfall unter Schock. Anzeichen dafür sind bleiche Haut, kalter Schweiß oder Zittern. Auch am Verhalten ist ein Schockzustand zu erkennen: Die Betroffen verhalten sich entweder unruhig und nervös oder sind ruhig und teilnahmslos.

Im schlimmsten Fall führt ein Schock zu Bewusstlosigkeit und Verkrampfungen. Es ist deshalb wichtig, dass Sie mit dem Verletzten reden und ihn beruhigen. Am besten während der ganzen Erstversorgung. Legen Sie ihn außerdem auf den Rücken und legen Sie seine Beine hoch, um die Blutversorgung im Gehirn zu verbessern.

Die Angst davor, Fehler bei der Ersten Hilfe zu machen, ist unbegründet. Der einzige Fehler, den Sie machen können, ist, nicht zu helfen!

 

Tipp: Drucken Sie dieses PDF aus und legen Sie es ins Handschuhfach. Dann haben Sie im Notfall die einzelnen Schritte parat.