Pflegestufen 0, 1, 2 und 3 und Pflegegrade

 

Seit Einführung der gesetzlichen Pflegeversicherung im Jahr 1995 wird die Berechtigung auf Leistungen aus dieser Versicherung in mehrere Stufen eingeteilt. Dadurch werden einerseits die Zahlungen auf einen gewissen Rahmen beschränkt, andererseits wird der Verwaltungsaufwand möglichst niedrig gehalten.

Die Einstufung in eine Pflegestufe wird bei der Pflegekasse beantragt und vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) überprüft und bewilligt.
 

Infografiken Pflegestufen

Pflegestufen ERGO Direkt

 
Hier können Sie sich die Übersicht "Pflegestufen" als PDF herunterladen:

Zum Öffnen von PDF-Dateien benötigen Sie den Adobe Reader.

Adobe Reader kostenlos downloaden

 
Einstufung in die Pflegestufe 0 – Hilfe bei der Grundpflege

Personen, die dauerhaft erhebliche Einschränkungen in ihrer Alltagskompetenz vorweisen (PEA), erhalten Hilfe bei der Grundpflege und der hauswirtschaftlichen Versorgung. Hierbei handelt es sich vor allem um Menschen, die an Demenz, psychischen Erkrankungen oder geistigen Behinderungen leiden.

Die genauen Voraussetzungen für Pflegestufe 0 sind in §45a und b des Sozialgesetzbuches (SGB) XI Soziale Pflegeversicherung festgeschrieben.

Mit der Pflegereform 2012 wurde beschlossen, dass ab dem 1.1.2013 bei Pflegestufe 0 für häusliche Pflege monatlich 120 € Pflegegeld oder bis zu 225 € für Sachleistungen pro Monat gezahlt werden. Wer Pflegegeld beansprucht, muss sicherstellen, dass die häusliche Pflege beispielsweise durch Angehörige oder ehrenamtliche Pflegepersonen sichergestellt ist. Die zu pflegende Person erhält das Pflegegeld und gibt es an die Pflegenden weiter. Sachleistungen erhält, wer sich für die Unterstützung durch Pflegedienste entscheidet. Pflege- und Sachleistungen können auch miteinander kombiniert werden.

Auch Verhinderungspflege (Vertretung der Pflegeperson bei Urlaub oder Krankheit) kann sogar bei Pflegestufe 0 beansprucht werden. Zudem gibt es monatliche Beträge für zum Verbrauch bestimmte Pflegemittel, technische und sonstige Pflegehilfsmittel, sowie Unterstützung bei Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnraums.

Einstufung in die Pflegestufe 1 - erhebliche Pflegebedürftigkeit

Voraussetzung für eine „erhebliche Pflegebedürftigkeit“ (Pflegestufe 1) ist notwendige Hilfestellung von mindestens 90 Minuten im Tagesdurchschnitt. 45 Minuten davon müssen auf mindestens zwei Verrichtungen der Grundpflege (Körperpflege, Ernährung oder Mobilität) entfallen.

Im Pflegeversicherungsgesetz wird bei den Leistungsbereichen in ambulante und stationäre Pflege unterteilt. Grundsätzlich wird unterschieden in vollstationäre, ambulante häusliche Pflege durch Fachkräfte ambulanter Pflegedienste in Form von Pflegesachleistungen und häusliche Pflege durch Angehörige oder sonstige selbst beschaffte Hilfen.

Für stationäre Pflege werden von der Pflegekasse monatlich 1.023 € gezahlt. Seit 1.1.2012 beträgt das Pflegegeld für Pflegestufe 1 monatlich 235 €. Als sogenannte Sachleistung für ambulante oder teilstationäre Pflege durch Pflegedienste erhält man in Pflegestufe1 1.450 € im Monat.

Einstufung in die Pflegestufe 2 – Schwerpflegebedürftigkeit

Eine Schwerpflegebedürftigkeit (Pflegestufe 2) liegt vor, wenn täglich durchschnittlich mindestens drei Stunden lang Hilfe geleistet wird. Unterstützung bei der Grundpflege muss täglich mindestens zwei Stunden erfordern und zu mindestens drei verschiedenen Zeiten erfolgen. Eine weitere Voraussetzung ist die Notwendigkeit hauswirtschaftlicher Hilfe mehrmals in der Woche.

Seit 1.1.2012 beträgt das Pflegegeld für Pflegestufe 2 bei häuslicher Pflege monatlich 440 €. Als sogenannte Sachleistung für ambulante oder teilstationäre Pflege durch Pflegedienste erhält man in Pflegestufe 2 1.100 € im Monat.

Kombinationsleistungen sind auch bei Pflegestufe 2 möglich – ein Beispiel

Selbstverständlich können sich Angehörige und ein Pflegedienst oder eine ambulante Pflegeeinrichtung die Versorgung teilen. Dann wird von den Geldleistungen, die die Pflegeperson erhält, der Anteil für die professionelle Hilfe prozentual abgezogen.

In unserem Beispiel erhält die Pflegeperson Sachleistungen in Höhe von 1.100 €
bzw. 450 € Pflegegeld. Die Kosten für den Pflegedienst betragen 770 €. Dies entspricht 70 % der Sachleistung (70 % von 1.100 €). Somit bleibt ein Anspruch auf 30 % des verbleibenden Pflegegeldes (30 % von 440 €) = 132 €

Hat sich der Pflegebedürftige für eine prozentuale Kombination aus Sach- und Pflegeleistung entschieden, ist er sechs Monate daran gebunden. Außer es gibt eine wesentliche Veränderung in der Pflegebedürftigkeit.

Einstufung in die Pflegestufe 3 – Schwerstpflegebedürftigkeit

Schwerstpflegebedürftigkeit (Pflegestufe 3) wird anerkannt, wenn pro Tag durchschnittlich mindestens fünf Stunden lang Hilfe geleistet wird, mindestens vier Stunden davon müssen für die Grundpflege aufgewendet werden. Der konkrete Hilfebedarf muss rund um die Uhr vorliegen.

Liegt die geleistete Pflege deutlich über diesen Bedingungen, greift die Härtefallregelung – wenn beispielsweise die Hilfe bei der Grundpflege im Tagesschnitt sieben Stunden beträgt oder mindestens zwei Stunden konkreter Hilfebedarf in der Nacht herrscht.

Seit 1.1.2012 beträgt das Pflegegeld für Pflegestufe 3 monatlich 700 € bzw. für Sachleistungen 1.550 € (in Härtefällen 1.918 €).

Welche Kosten fallen bei Pflegestufe 3 an?

Gehen wir bei Pflegestufe 3 von durchschnittlichen Pflegeheimkosten von 3.300 € im Monat aus. Die gesetzliche Pflegeversicherung leistet 1.550 €. Somit bleiben monatlich ungefähr 1.750 € übrig, die selbst aufgebracht werden müssen. Legt man bei Pflegestufe 3 eine durchschnittliche Lebenserwartung von fünf bis sieben Jahren zugrunde, errechnet sich eine Summe von bis zu 147.000 €. Viel Geld, über das nicht jeder so einfach verfügen kann.

Hohe Kosten – was ist zu tun?

Um die Kosten der Pflege zu finanzieren, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die gesetzliche und private Rente reichen meist nicht aus, die monatliche Lücke zu schließen. Bleiben noch angespartes Vermögen, Mieteinnahmen oder der Erlös aus dem Verkauf von Immobilien. Ist alles aufgebraucht, werden auch nahe Familienangehörige in die Pflicht genommen. Oder das Sozialamt muss einspringen.

Wichtige Aspekte unberücksichtigt

Längst ist bekannt, dass das derzeitige Prinzip der Pflegestufen den individuellen Problemen der Menschen nur unzureichend gerecht wird. Nach Ansicht der Kritiker sind viele der Defizite bei der Versorgung pflegebedürftiger Menschen dem zu engen Begriff der Pflegebedürftigkeit geschuldet. Dieser ist zu sehr auf körperliche Einschränkungen ausgerichtet. Wichtige Aspekte wie Kommunikation oder soziale Teilhabe werden ausgeblendet und der Bedarf an allgemeiner Betreuung, Beaufsichtigung und Anleitung zu wenig berücksichtigt. Damit soll nun Schluss sein.

Pflegegrade ersetzen Pflegestufen

Mit dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff soll das bisherige System der drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade ersetzt werden. Der neue Begriff und ein neues Begutachtungsverfahren sollen alle wesentlichen Seiten von Pflegebedürftigkeit berücksichtigen. Was heißt das konkret?

Neben körperlichen Einschränkungen werden auch solche Probleme einbezogen, die etwa bei Menschen mit Demenz häufig vorkommen. Bei ihnen leidet die Selbstständigkeit vor allem durch Einschränkungen von Wahrnehmung und Erinnerung, aber auch durch die zunehmende Unfähigkeit, sich mitzuteilen. Solche Verhaltensweisen belasten Angehörige und Pflegekräfte besonders, wurden aber bisher nicht angemessen berücksichtigt.

Künftig wird, von der Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen ausgehend, das Stadium der Einschränkung in fünf Grade eingeteilt: von geringer Beeinträchtigung der Selbstständigkeit (Pflegegrad 1) bis zur schwersten Beeinträchtigung, die mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung einhergeht (Pflegegrad 5).

Erprobung läuft

Das neue Begutachtungsverfahren wird derzeit in zwei Modellprojekten auf seine Alltagstauglichkeit und Wirkung getestet. Dazu werden zunächst Gutachter des medizinischen Dienstes geschult, denn auch sie müssen umdenken. Im Rahmen einer zweiten Studie wird ermittelt, welchen Versorgungsaufwand die neuen Pflegegrade in stationären Pflegeeinrichtungen auslösen.

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff soll noch in dieser Wahlperiode eingeführt werden. Gesetzlich verankert ist das Vorhaben im Pflegestärkungsgesetz 2. Allerdings kann es noch bis 2017 dauern, bis das Ganze in der Praxis angekommen ist.

Vorsorge für zusätzliche Kosten

Die gesetzliche Pflegeversicherung deckt mit ihren Leistungen die pflegerischen Maßnahmen bei Pflegebedürftigkeit ab. Das ist für Betroffene eine große Erleichterung. Jedoch entstehen durch zusätzlich notwendige Hilfeleistungen – wie etwa Zubereitung von Nahrung, Hilfe im Haushalt – weitere Kosten, die durch die Leistung der gesetzlichen Pflegeversicherung nicht gedeckt sind. Im schlimmsten Fall ist die Unterbringung in einem Pflegeheim nötig. Um sich hier die bestmögliche Unterbringung leisten zu können, können Sie privat vorsorgen: mit einer privaten Pflegezusatzversicherung bei ERGO Direkt Versicherungen. Diese bieten wir Ihnen bereits ab Pflegestufe 1. Entscheiden Sie selbst, welche Pflegestufen Sie in welcher Höhe absichern möchten. Informieren Sie sich über alle Möglichkeiten. Egal für welche Pflegestufe Sie vorsorgen wollen.

Diesen Artikel teilen:

(Autor)Bitte die Seite neu laden, wenn die Sharing-Buttons nicht angezeigt werden! (F5)

AktionsNummer:n.a. VermittlerNummer: ,