Prävention von Stürzen

ERGO Direkt Prävention von Stürzen

 
Gleichgewichtsstörungen, nachlassende Sehkraft oder Demenz – viele Faktoren können im Alter zu Stürzen führen. Zum Glück verlaufen diese meist glimpflich und hinterlassen nur leichtere Verletzungen wie Prellungen und Hautabschürfungen. In weniger als 10 Prozent der Fälle sind Knochenbrüche oder Schlimmeres die Folge.

Aber: Wer einmal gestürzt ist, hat plötzlich Angst vor einem weiteren Sturz. Alte Menschen meiden dann den täglichen Spaziergang und bewegen sich nicht mehr aus dem Haus. Ein Teufelskreis. Oberstes Ziel ist es daher, Stürze schon im Vorfeld zu vermeiden. Dazu ist es wichtig, gefährdete Senioren frühzeitig zu erkennen. Also: Wer ist besonders sturzgefährdet?

Risikofaktoren

Die wichtigsten Risikofaktoren für Stürze sind individueller Natur. Alte Menschen bringen ihre Risiken sozusagen mit. Dazu zählen:

  • Verminderte Sehkraft
  • Muskelschwäche
  • Balance-Probleme beim Gehen und Stehen
  • Harninkontinenz
  • Krankheiten wie Demenz, Parkinson, Schlaganfall

Darüber hinaus tragen auch äußere Faktoren zu Stürzen bei:

  • Stolperschwellen
  • glatte Fliesen
  • fehlende Handläufe, Griffe oder Rampen

Ein viel zu selten berücksichtigter Risikofaktor für Stürze ist auch die Einnahme bestimmter Medikamente. Generell erhöhen Substanzen, die das zentrale Nervensystem und das Bewusstsein beeinflussen, das Sturzrisiko. Dazu zählen Schlafmittel, Neuroleptika und Antidepressiva. Medikamente also, die viele alte Menschen einnehmen. Vermutlich können auch Blutdruckmedikamente unter bestimmten Umständen das Sturzrisiko erhöhen.

Tests zur Abschätzung des Sturzrisikos

Es gibt einfache Tests, mit denen der Hausarzt ein Sturzrisiko abschätzen kann. Sie sind schnell durchgeführt und geben dem Patienten und seinen Angehörigen einen guten Anhaltspunkt. Zeigt sich eine Gefährdung, sollten unbedingt Konsequenzen folgen.

Eine neu angepasste Brille kann manchmal wahre Wunder bewirken. Aber auch ein spezielles Kraft- und Balancetraining für Senioren ist oft sinnvoll, denn es vermittelt Bewegungssicherheit. Viele Pflege- und Senioreneinrichtungen bieten solche Bewegungsprogramme bereits an.

Tipp: Damit Sie sich später die Pflege leisten können, die optimal an Ihre persönlichen Bedürfnisse angepasst ist: Sorgen Sie mit einer privaten Pflegeversicherung vor.

Mehr Sicherheit in Haus und Wohnung

Sturzprävention können Sie auch direkt in Ihrem häuslichen Umfeld betreiben. Häufig lassen sich Stürze mit ganz einfachen Maßnahmen verhindern:

 

Stolperfallen beseitigen

Teppiche, Schwellen oder lose Kabel sind für Senioren oft Gefahrenquellen, die schwere Stürze verursachen können. Sie lassen sich zum Glück ohne großen Aufwand beseitigen.


Sichere Beleuchtung

Dunkle Ecken sollten ausgeleuchtet sein, besonders Treppenstufen. Auch der Weg zur Toilette muss jederzeit sicher sein, vor allem nachts. Praktisch sind Leuchten mit einem Bewegungsmelder. Sie schalten sich nur dann ein, wenn sie tatsächlich benötigt werden


Genügend Bewegungsfreiheit

Ist ein Raum zu voll, wird ein sicheres Durchkommen schwierig. Verzichten Sie daher lieber auf das eine oder andere Möbelstück, um genügend Bewegungsspielraum zu haben. Vor jedem Möbelstück sollten etwa 1,20 Meter Platz sein.


Treppen

Sie sollten grundsätzlich frei begehbar sein. Deko-Gegenstände und Ähnliches haben auf einer Treppe nichts zu suchen. Zu einer sicheren Treppe gehört zudem ein Handlauf auf beiden Seiten. Experten empfehlen, dass dieser an beiden Enden etwa 30 cm über die Stufen hinausgeht.

Ein rutschfester Belag auf den Stufen (z. B. Anti-Rutsch-Klebebänder an den Kanten) und vor allem auch eine gute Beleuchtung bei Tag und Nacht erhöhen die Sicherheit wesentlich. Die einzelnen Stufen müssen auch für ältere Menschen gut zu erkennen sein, besonders von oben. Dafür eignen sich Decken- oder Wandleuchten, die das Licht breit streuen.


Bad

Viele Stürze ereignen sich in feuchten Badezimmern. Spezielle rutschfeste Fliesen vermindern das Risiko, ebenso bodengleiche Duschwannen. Zusätzliche Haltegriffe, Anti-Rutsch-Streifen in Wanne und Duschbecken oder das Benutzen eines stabilen Duschhockers sind weitere Möglichkeiten, Stürzen vorzubeugen.


Türschwellen

Sie sollten herausgenommen werden, damit eine ebene Fläche entsteht. Wenn das technisch nicht machbar ist, sollte man sie zumindest optisch vom Fußboden abheben. Dazu reicht bereits ein auffälliger Anstrich.


Sitzmöbel und Betten

Häufig stürzen alte Menschen auch beim Aufstehen oder Hinsetzen auf Stuhl oder Sessel. Es lohnt sich daher, die Höhe von Sesseln und Stühlen durch Möbelerhöhungen individuell anzupassen. Auch beim Bett muss die Höhe stimmen. Fragen Sie im Fachhandel nach geeigneten Lösungen.


Außenbereich

Denken Sie auch an die Wege zum Haus und zur Wohnung. Diese müssen ebenso wie der Hauseingang gut beleuchtet sein. Auch hier gilt: Schwellen und Stufen besonders markieren, um Stürzen vorzubeugen.

Das können Sie selbst tun

Auch Ihr eigenes Verhalten ist ein wichtiger Bestandteil der Sturzprävention:

  • Benutzen Sie auch zu Hause einen Gehstock, wenn er Ihnen zu mehr Stabilität verhilft.
  • Achten Sie auf feste Hausschuhe mit einer rutschfesten Sohle.
  • Steigen Sie nicht auf einen Stuhl, um etwas aus dem Schrank zu holen oder aufzuhängen. Halten Sie stattdessen häufig benutzte Gegenstände griffbereit.
  • Einen stabilen Tritthocker oder eine Leiter sollten Sie in Ihrer Wohnung schnell zur Hand haben.
  • Verzichten Sie auf über den Boden schleifende oder zu weite Kleidung. Denn diese kann zur Gefahr werden, wenn Sie darüberstolpern oder beispielsweise an Türklinken hängen bleiben.

Der richtige Umgang mit Rollator & Co.

Gehstock

Gehstöcke sind die wohl am häufigsten zur Sturzprophylaxe eingesetzten Hilfsmittel. Es gibt sie in verschiedenen Ausführungen und Materialien. Modelle mit halbkreisförmig gebogenem Griff kann man, wenn man sie gerade nicht benötigt, über den Arm oder die Stuhllehne hängen. Andere Gehstöcke verfügen über gerade, anatomisch geformte Griffe. Dank der guten Druckverteilung eignen sie sich auch für Nutzer mit schwachen Handgelenken.

Wichtig ist auch die richtige Länge des Gehstocks: Bei locker herabhängenden Armen sollte der Griff bis zum Handgelenk reichen. Für Rutschsicherheit sorgt ein Gummifuß am unteren Ende des Stocks.

Rollator (Gehwagen)

Auch Rollatoren sind beliebte und praktische Mittel zur Sturzprävention. Daran lassen sich sogar Einkaufskörbe und Sitzflächen anbringen. Es gibt sie mit drei oder vier Rädern.

Dreirädrige Rollatoren sind besonders wendig und eignen sich auch zum Einsatz in engen Räumen. Ihr Nachteil: Sie neigen eher zum Kippen und stellen damit ein Sturzrisiko dar. Sicherer sind vierrädrige Gehwagen, wahlweise mit schwenkbaren oder starren Vorderrädern.

Unabhängig vom Modell sollten die Handgriffe auf die richtige Höhe (bis zum locker herabhängenden Handgelenk) eingestellt werden. Wichtig ist auch, dass Sie stets im und nicht hinter Ihrem Rollator gehen. Die Fußknöchel befinden sich dann etwa auf Höhe der Hinterräder. Wenn Sie stolpern, können Sie sich so noch ausreichend auf der Gehhilfe abstützen.

Der Umgang mit Gehhilfen will gelernt sein. Üben Sie unbedingt so lange, bis Sie sich wirklich sicher fühlen .

"Schutzhelm" für die Hüften

Mit fortgeschrittenem Alter wächst die Gefahr, sich bei einem Sturz eine Schenkelhalsfraktur zuzuziehen. Denn viele Seniorinnen und Senioren leiden unter Osteoporose. Daher wird älteren Menschen, die schon einmal gestürzt sind, oft geraten, sogenannte Hüftprotektoren zu tragen.

Dabei handelt es sich meist um elastische Slips mit Protektoren. Diese sind entweder seitlich fest eingearbeitet oder herausnehmbar. Sie bestehen aus einem sehr stabilen und gleichzeitig flexiblen Material, das die Kraft eines Aufpralls mindert bzw. auf eine größere Fläche verteilt.

Verpackt in Protektoren?

Die Anwendung solcher Hüftschutzhosen oder -protektoren ist allerdings umstritten. Dass die Kosten dafür nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden, sollte jedoch keine Rolle spielen.

Bedenken bestehen in ganz anderer Hinsicht: Für manche Patienten geht es nicht mit dem Anspruch auf ein würdevolles Leben einher, wenn sie umfassend in Protektoren „verpackt“ werden. Dazu kommt, dass diese oft den Toilettengang erschweren. Zudem existieren widersprüchliche Aussagen zu ihrem Nutzen, da sie Stürze ja nicht verhindern.

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