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Baby stellt alles auf den Kopf


Kolumne von Kai Bösel



MIT DEM ERSTEN KIND ÄNDERT SICH ALLES

 

Mit dem ersten Baby ändert sich nicht nur das Leben, sondern auch die Gefühlswelt. Daher habe ich heute mal zusammengeschrieben, welche Veränderungen ich besonders intensiv erlebt habe und womit ich vor der Geburt gar nicht gerechnet habe.

 

Was mir keiner gesagt hat …

 

… WELCHE SCHATTIERUNGEN DAS WORT "SICHERHEIT" HABEN KANN.

 

Na klar, ich wusste schon vorher, dass man im Straßenverkehr aufpassen muss, nicht ungesichert auf hohe Bäume klettert und sich bei Blitzeis am besten irgendwo festklammert. Aber mit einem Baby im Haus gilt es, aus der gemütlichen Bude eine Gummizelle zu machen. Die ersten Monate mit Kind ist es noch entspannt, weil der Nachwuchs noch nicht auf Erkundungstour gehen kann. Aber mit dem ersten Krabbeln werden Steckdosen gesichert, Elektrogeräte versteckt, spitze Tischecken entschärft und Treppen mit Holztüren versehen. Die Gefahr ist allgegenwärtig: Das Nestchen am Bett kann zur Falle werden, der Wickeltisch ist allein durch die Höhe eine Gefahrenquelle und spätestens in der oralen Phase ist eh Hopfen und Malz verloren. Da speziell beim ersten Kind locker zu bleiben, ist gar nicht so einfach.

… WIE SEHR ICH VERMISSEN KANN.


Die wenigsten Menschen sind gern allein. Aber wenn man in einer langen Beziehung steckt, dann ist ein Abend ohne den Partner auch mal erfrischend. Kerle machen sich dann ein Bier auf, essen panierte und fettige Schweinereien und vertreiben sich den Abend mit der Spielkonsole oder mit Fußball-Gucken. Anders ergeht es mir mit meiner Tochter. Von der bin ich gar nicht gern lange weg. Denn sie fehlt mir. Und das ist ein ganz egoistisches Gefühl, denn sicherlich tut es ihr mit vier Jahren auch mal gut, einen Abend ohne die Mama oder den Papa zu erleben. Aber die Kleine einen Tag nicht gesehen zu haben, fällt mir wirklich schwer. Hätte ich vorher nicht gedacht.

 

... WIE WENIG SPONTAN URLAUB SEIN KANN.

 

Als Paar kann man spontan eine Reisetasche packen und direkt am Flughafen einen Last-Minute-Trip buchen, um kurzfristig Sonne zu tanken oder auf Berge zu kraxeln. Mit Kleinkind geht sowas nicht. Ich kenne viele junge Eltern, die in den ersten Jahren gar nicht verreisen. Das halte ich für falsch, es bedarf nur etwas mehr Planung. Wir waren mit unserer Tochter im Alter von drei Monaten für einen zweiwöchigen Urlaub auf Mallorca. Und da muss das Equipment schon recht akribisch zusammengestellt werden, vom Reisebett über den Windelvorrat bis zu Klamotten, Sonnenschutz, Strandzelt und noch viel mehr. Der Umfang erinnerte an „Goodbye Deutschland“ und macht deutlich, dass es nur dann für alle entspannt wird, wenn man gut vorbereitet ist.

… WAS ALLES IM ESSEN SEIN KANN.


Ich weiß, ich tue den Gourmets und Feinschmeckern unter uns Kerlen unrecht, aber für mich gab es drei Evolutionsstufen in Sachen Ernährung: als Junggeselle in der Studentenbude gab es die Ausprägungen „schmeckt“ und „schmeckt nicht“. Hühnerfrikassee aus dem Wasserbad war ähnlich lecker wie Weizentoast mit Mett. In einer Beziehung kommen weitere feine Abstufungen hinzu wie „frisch gekocht“ oder auch „länger vorbereitet als gegessen“. Aber nichts toppt das, was auf Eltern zukommt. Wer einmal ein fades Gläschen selbst probiert hat, der möchte seinem Kind nur noch frische Sachen auf den Kinderteller packen und dazu am liebsten wissen, aus welchem Acker die Möhren gezogen wurden und welche Reise eine Kartoffel schon hinter sich hat. Und das ist gut so, denn das Convenience Food im Supermarkt und das schnelle Essen unterwegs machen eine gesunde Lebensweise zu einer Herausforderung.

 

… WIE KLASSISCH DAS FAMILIENMODELL IMMER NOCH IST.


Heute wissen wir: Die Gleichberechtigung von Mutter und Vater ist noch nicht mal im Ansatz erreicht. Immer noch hadern viele Väter mit der Elternzeit, entscheiden sich eher für den Beruf und nehmen die Rolle des Ernährers ein.  Und wenn Sie jetzt meinen: „Hey, das stimmt doch gar nicht, ich bin jeden Tag auf dem Spielplatz mit den Kindern“, dann sind Sie einer der wenigen modernen Papas. Noch gibt es für Väter gerade mal ein Print-Magazin, für Mamas ein ganzes Regal voll. Und wenn wirklich die Nachfrage den Markt regelt, dann scheint das zu reichen. Es gibt noch viel zu tun …

FAZIT

 

Was mir vor der Geburt keiner gesagt hat war, wie sehr die Geburt meiner Tochter nicht nur meine private, sondern auch meine berufliche Situation verändern wird. Ich betreibe nicht nur ein Väter-Magazin, sondern habe viele tolle Mama-Blogger kennengelernt, teste Familienautos für namhafte Magazine, schreibe Kolumnen, habe viele prominente Papas interviewt und werde oft um eine Meinung gebeten, wenn es um das Thema „Väter“ geht. Wer hätte das gedacht.

Was ich Ihnen aber sagen möchte, damit Sie nicht irgendwann sagen: „Das hat mir ja keiner gesagt“: Kinder sind etwas Tolles, Großartiges, Sensationelles und Liebenswertes. Lassen Sie sich nicht von der anstehenden Veränderung abschrecken, denn meist überwiegen die schönen Momente. Entscheiden Sie sich also für Nachwuchs, gründen Sie eine Familie, setzen Sie Kinder in die Welt … und erzählen Sie uns und anderen Vätern später, was Ihnen vorher keiner gesagt hat. Ich freue mich drauf!

 

ÜBER KAI BÖSEL

 

Kai Bösel hat bereits vier Start-ups gegründet, aktuell betreibt er das Väter-Magazin Daddylicious und die Agentur für Influencer-Marketing BOOMblogs. Mit Mark Bourichter gewann er für Daddylicious im Jahr 2014 den Deutschen Preis für Onlinekommunikation.


Der Patchwork-Daddy aus Hamburg schreibt über Familienautos, interviewt interessante Väter, testet Spielzeug mit seiner vierjährigen Tochter und beleuchtet die Herausforderungen der Vaterrolle.

 

Bildquelle: Raimar von Wienskowski


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