Kontakt

 

Familiengründung

Familie



Elterngeld, Mutterschaftsgeld und Elternzeit: Es gibt vieles zu regeln

 

Wenn ein Baby erwartet wird, gibt es für die Eltern viel vorzubereiten. Da sind zum einem die schönen Erledigungen wie das Besorgen der ersten Babyklamotten. Zum anderen sind aber auch ein paar organisatorische und bürokratische Baustellen abzuarbeiten.

 

Hebamme und Kinderarzt

 

Relativ früh in der Schwangerschaft sollten sich Eltern um eine Hebamme gekümmert haben, vor allem wenn sie eine 1:1-Betreuung durch eine Beleghebamme oder eine Geburtshaus- oder Hausgeburtshebamme wünschen. Aber auch für die Vorsorge und die Wochenbettbetreuung muss man sich in vielen Regionen bis spätestens zur 12. Schwangerschaftswoche um eine Hebamme gekümmert haben. Viele Kliniken und Geburtshäuser nehmen nur eine bestimmte Anzahl von Frauen pro Geburtenmonat an. Auch hier ist zum Teil schon eine Anmeldung in den ersten Schwangerschaftsmonaten sinnvoll. Vor der Geburt sollte man auch überlegen, zu welchem Kinderarzt man nach der Geburt mit seinem Baby gehen möchte, und erfragen, ob dieser überhaupt noch Kapazitäten für neue Patienten hat.

 

Geburtsurkunde


Da Zeit etwas ist, was nach der Geburt eines Kindes eher fehlt, empfehle ich als Hebamme immer, auch alle erforderlichen Formalitäten soweit möglich bereits vor der Geburt abzuarbeiten. Hinterher fehlt einem auch oft die Konzentration bzw. wird es komplizierter mit Baby, eventuell noch notwendige Ämter- oder Beratungstermine wahrzunehmen. Also gilt es, alle erforderlichen Anträge einzuholen oder auszudrucken und diese möglichst soweit vollständig auszufüllen, dass später nur noch der Name des Kindes und der Geburtstag eingetragen werden müssen. Man kann alles auch schon in entsprechende Umschläge packen, diese adressieren und ausreichend frankieren.

Elternzeit und Elterngeld

 

Paare müssen sich vor der Geburt überlegen, wer wann Elternzeit nimmt. Das ist gerade beim ersten Kind gar nicht so leicht planbar, weil man noch nicht so richtig eine Idee von den großen Veränderungen hat, die die Geburt eines Kindes in einer Familie mit sich bringt. Es braucht sicherlich mehrere Gespräche, um zu einer guten Lösung zu kommen. Wenn man diese gefunden hat, sollte man den Elternzeitantrag beim Arbeitgeber einreichen, damit auch dieser entsprechend planen kann. Selbstständige Eltern sollten sich einen Plan erstellen, wie sie Beruf und Baby vereinbaren können. Eventuell muss ja auch eine Vertretung organisiert werden. Auch den Antrag für das Elterngeld der das Elterngeld Plus sollten sich Eltern bereits vorab ausdrucken und so weit möglich ausfüllen. Alle erforderlichen Kopien, etwa der Steuererklärung oder der Lohn- und Gehaltsnachweise, sollten schon vorab gemacht werden. Wenn noch Fragen bezüglich des Elterngeldes offen sind, lohnt es sich, eine Beratungsstelle aufzusuchen.

 

Kindergeld

 

Der Antrag für das Kindergeld kann im zuständigen Jugendamt geholt oder online ausgedruckt werden. Dieser wird später zusammen mit der Geburtsurkunde des Kindes eingereicht.

 

Wenn der Vater bei nicht verheirateten Paaren mit in der Geburtsurkunde stehen oder das Kind seinen Nachnamen erhalten soll, müssen werdende Eltern eine Vaterschaftsanerkennung im Standesamt oder Jugendamt beantragen. Hierfür werden folgende Papiere benötigt:

 

  1. Personalausweise oder Reisepässe der Eltern
  2. Geburtsurkunden der Eltern
  3. Geeignete Nachweise für eventuell unterwegs erfolgte Namensänderungen
  4. Mutterpass (bei Anerkennung vor der Geburt, danach die Geburtsurkunde des Kindes)
  5. Übersetzungen eventueller ausländischer Urkunden durch einen in Deutschland beeidigten Übersetzer

 

Mutterschaftsgeld

 

Die Unterlagen für das Mutterschaftsgeld können bei der gesetzlichen Krankenkasse oder andernfalls beim Bundesversicherungsamt beantragt werden. Es ist außerdem eine Bescheinigung über den errechneten Geburtstermin erforderlich. Diese kann der Gynäkologe oder die Hebamme ausstellen.

 

Krankenversicherung

 

Das Kind ist in der Regel über ein Elternteil in der gesetzlichen Krankenkasse familienversichert oder es wird privat versichert. Es empfiehlt sich hier, vorab Kontakt mit der Krankenkasse aufzunehmen. Im Zuge dessen können werdende Eltern auch noch mal allgemein ihren Versicherungsschutz überprüfen und gegebenenfalls ergänzen. Die Krankenversicherung ist immer eine Pflichtversicherung.

Wichtige Versicherungen

 

Weiterhin wird empfohlen, eine Privathaftpflichtversicherung (eventuell das Kind eintragen lassen), eine Unfallversicherung für das Kind sowie eine Risikolebensversicherung abzuschließen. Auch der Abschluss einer Hausratversicherung und gegebenenfalls einer Berufsunfähigkeitsversicherung ist durchaus sinnvoll.

Um alle Unterlagen auszufüllen, das Kind nach der Geburt anzumelden und alle Anträge einzureichen, kann man vorab schon einmal folgende persönliche Dokumente bereitlegen:

 

  • Geburtsurkunden der Eltern
  • falls verheiratet: beglaubigte Abschrift aus dem Familienbuch oder Heiratsurkunde
  • Personalausweise
  • falls nicht verheiratet: Vaterschaftsanerkennung, wenn schon beantragt
  • wenn die Mutter geschieden oder verwitwet ist: beglaubigte Abschrift aus dem Eheregister oder Eheurkunde und Scheidungsurteil beziehungsweise Sterbeurkunde
  • falls der Vater verheiratet ist oder war: beglaubigte Abschrift aus dem Eheregister oder Eheurkunde (und gegebenenfalls Scheidungsurteil)
  • bei ausländischen Eltern: Nachweis über den Aufenthaltstitel, um den Erwerb der deutschen Staatsangehörigkeit für das Kind nachzuweisen

Beim Standesamt melden

 

Je nach Geburtsort wird das Kind direkt über die Klinik angemeldet oder die Eltern erhalten bei einer außerklinischen oder ambulanten Geburt einen Nachweis von der Hebamme oder der Klinik, mit der sie das Kind beim Standesamt anmelden können. Das Kind muss immer an dem Ort angemeldet werden, an dem es geboren wurde, unabhängig vom Wohnort der Familie. Die fertige Geburtsurkunde können die Eltern schließlich in der Behörde oder im Krankenhaus abholen – oder sich gegen eine Gebühr zuschicken lassen. Es empfiehlt sich, ausreichend viele Exemplare zu bestellen. Laut Paragraph 18 des Personenstandsgesetzes müssen Babys binnen sieben Tagen nach der Geburt beim Standesamt angemeldet werden. Für die Festlegung auf einen Vornamen haben Eltern einen Monat Zeit. Sie erhalten dann vom Standesamt statt einer Geburtsurkunde zunächst eine Geburtsbescheinigung. Die Festlegung auf einen Namen ist verbindlich und kann im Nachhinein prinzipiell nicht mehr geändert werden. Eine Anmeldung des Kindes beim Einwohnermeldeamt ist in der Regel nicht erforderlich, weil die Daten vom Standesamt direkt dorthin weitergeleitet werden.

 

Entspannt ins Wochenbett

 

Das sind viele bürokratische Aufgaben. Wenn man viele davon schon vorher erledigt hat, kann man das Wochenbett gleich etwas entspannter angehen. Für diese besondere Zeit lohnt es sich auch, bereits vor der Geburt die häuslichen Vorräte und das Tiefkühlfach mit vorgekochtem Essen aufzufüllen. Oder man vereinbart mit Freunden oder Nachbarn, dass man sich statt der fünften Spieluhr lieber ein gekochtes Essen wünscht oder mal die Erledigung eines Einkaufs. Unterstützung können junge Eltern nach der Geburt immer gut gebrauchen. Man kann deshalb auch in der Schwangerschaft schon mal schauen, welche Lieferdienste es in der eigenen Stadt gibt oder auch, ob eine Haushaltshilfe oder Mütterpflegerin eine sinnvolle Unterstützung wäre. Unter bestimmten Voraussetzungen werden die Kosten dafür auch von der Krankenkasse erstattet, von der man auch das entsprechende Formular dafür bekommt. Nach der Geburt ist dann noch eine ärztliche Bescheinigung erforderlich. Für weitere Informationen kann man außerdem schon vor der Geburt Kontakt mit einem Mütterpflegedienst oder einer Haushaltshilfen-Organisation Kontakt aufnehmen.

 

Das alles mag nun sehr sachlich klingen, aber je mehr dieser Dinge man vorab erledigt, umso stärker kann man sich als Familie nach der Geburt darum kümmern, als solche möglichst stressfrei zueinander zu finden.

 

In meiner Checkliste Baby lesen Sie, welche Anschaffungen für die Baby-Erstausstattung benötigt wird.

ÜBER ANJA GACA


Anja Constance Gaca betreibt gemeinsam mit Ihrem Mann, Christian Gaca, den Blog vonguteneltern.de. Die beiden Blogger leben mit ihren vier Kindern in Berlin. Anja arbeitet als Hebamme und Still- und Laktationsberaterin und schreibt darüber Bücher.


Das könnte sie auch interessieren