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Unfallquelle Smartphone

Kolumne von Mama-Bloggerin einerschreitimmer


Hilfe, ich bin ein Smombie!

 

Wie hat Christoph Columbus nur ohne Google Maps Amerika entdeckt? Wie konnten Romeo und Julia ohne Tinder jemals zueinander finden? Und wie zur Hölle wurde Michelangelo eigentlich ohne Youtube berühmt (#SixtinischeKapelle)?

 

Mal ehrlich: So ein Smartphone ist schon eine feine Sache. Es ist Entertainment-Center, Datenzentrale und Mini-Büro. Doch aktuelle Studien zeigen, dass der Mensch nicht nur denkfaul dadurch wird, sondern dass die kleinen Minicomputer auch richtig gefährlich sein können. Sechzig Prozent aller Jugendlichen in Großbritannien geben an, dass ihnen spätabends im Bett liegend schon mal das Smartphone ins Gesicht gefallen wär. Ich bin da aber auch keine Ausnahme: Mein Handy trägt Narben, wie vom Kampf mit einer Raubkatze. Dabei bin ich nur ein paar Mal beim SMSen gegen die Wand gelaufen ...

Smombie

Ein Smartphone anstarrender Zombie?!

 

Jeder Vierte hat einen Smartphone-bezogenen Unfall

 

Mini-Unfälle passieren, denn das Smartphone ist allgegenwärtig: Im Bus sitzend mache ich meine Steuererklärung, reserviere Kinokarten und frage nebenbei die beste Freundin nach Tipps bei Kleinkindblähungen. Nur beim Aussteigen renne ich ungespitzt gegen das Haltestellenschild. Und mein Bewusstsein geht ganz kurz offline. Bin ich etwa auch schon ein unfallgefährdeter „Smombie” – also ein Smartphone anstarrender Zombie? Ständig online, aber trotzdem nicht mit der unmittelbaren Realität verbunden?

 

43 Prozent aller Fußgänger hatten schon mal Smartphone-bezogene Unfälle, sagt eine aktuelle Studie der „Daily Mail“ aus England. Meine Freundin Liliane hatte bestimmt schon mehr. Lilli klebt nämlich den ganzen Tag wie gebannt an ihrem Telefon. Besonders seit die Kinder da sind, wäre der kleine Taschencomputer ihre einzige Verbindung in die Welt hinaus, sagt sie. Oder besser gesagt: Sie schreibt es mir. Nebenbei googelt sie „Rote Flecken im Nacken ohne Fieber“ und bestellt noch schnell Windeln im Onlineversand. Letztens fuhr sie einem parkenden Auto den Außenspiegel ab, weil sie verbotenerweise wieder einmal mit ihrem Smartphone am Ohr ausparkte. In aller Fairness muss ich aber ergänzen, dass sie den Ersatzspiegel gleich übers Handy bestellte und ihrer Versicherung ein Beweisfoto mailte. Lilli ist eben digital. Aber ist das auch normal?

Sehnenscheidenentzündung und Co.

 

Laut einer Untersuchung der US-Kommission für Konsumentensicherheit CPSC stiegen die Aufenthalte von Smartphone-Benutzern in Notaufnahmen in den letzten Jahren um 124 Prozent an. Hauptverantwortlich dafür sind unachtsame Fußgänger, die ihren Blick nicht auf Ampeln oder Fußwege richten, sondern auf das Smartphone schauen.

 

Und meine Freundin Lilli? Die macht sich keine Sorgen! Denn wie alle Süchtigen ist auch sie der Ansicht, dass sie „alles unter Kontrolle“ hat und „jederzeit aufhören“ kann. Ungefährlich ist die Handybenutzung aber trotzdem nicht. Denn abgesehen von Gesichtswunden durch herabfallende Handys kommen noch weitere Gefahrenmomente hinzu: Kopfverletzungen durch Massen-Selfies, Verkehrsunfälle durch unausgereifte Navigations-Apps, die Autobahnauffahrten nicht von Feldwegen unterscheiden können, und Sehnenscheidenentzündungen durch zu intensives Handyspielen. Als besonders gefährlich aber haben sich Fußgänger entpuppt, die während des Gehens ausschließlich auf ihr Smartphone schauen. 

Früher – in der Zeit v.H.

Die neue Zeitrechnung "v.H." bedeutet vor Handy.  

 

Warnsysteme für Smombies

 

Da erinnert man sich doch noch gerne an die alten Ziegelhandys zurück, die nicht viel konnten außer telefonieren und kompliziert SMS per Nummerntasten verschicken, aber dafür eine Akkulaufzeit hatten, die für heutige Smartphone-Benutzer wie ein Märchen aus 1.000 und einer Stunde Standby klingen.


Ja früher. In der Zeit v.H. – also vor Handy. Da war eben noch alles anders. Wobei die unachtsamen Fußgänger in den USA mittlerweile sogar neue Jobs kreieren: So gibt es etwa in San Francisco nun eigene Sicherheitsleute, die vor Parkgaragen unachtsame Smombies vor den ausparkenden Autos warnen. Und in Augsburg und München werden so genannte Bodenampeln getestet, die notorische Handy-Gucker vor Unfällen bewahren sollen.

 

Stellt sich nur die Frage, wann wird endlich eine App erfunden, die uns mehr Aufmerksamkeit für die richtig wichtigen Dinge im Alltag schenkt?

 

 

Über Anne von einerschreitimmer.com

 

Anne hat Zwillinge. Weil ständig eines ihrer Kinder brüllt, betreibt sie den Zwillingsblog „Einer schreit immer – die Wahrheit über das Leben mit Zwillingen“. Anne macht „irgendwas mit Medien“, hat acht Hände und viel Humor. Sie wartet einstweilen auf ihre Nominierung für den Pulitzerpreis. Insgeheim wünscht sie sich zur Mutter des Jahres gewählt zu werden. Die Chancen dafür stehen aber leider schlecht, weil ihr jedes Mal die Realität frech ins Gesicht lacht und ihre Pläne böse kreuzt.

 

Die Mama-Bloggerin schreibt auch für das ERGO Direkt Blog, beispielsweise über Urlaub mit Kindern, Kinderzähne und Hausbau.


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