Eigenheim kaufen statt mieten

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Eigenheim kaufen statt mieten - weshalb Sie kein Risiko eingehen sollten

 

Das eigene Haus oder die eigene Wohnung - davon träumen hierzulande viele Menschen. Statt Monat für Monat Miete zu zahlen, nehmen sie lieber einen Kredit auf, denn mit jeder Ratenzahlung gehört ihnen ein Stückchen mehr von ihrem Zuhause. Doch mit der Finanzierung einer Immobilie sind auch Risiken verbunden. Wie man sich für den Notfall absichern kann, erzählt ERGO Direkt-Versicherungsexperte Dieter Sprott im Interview.

Dieter Sprott ist Versicherungsexperte bei den ERGO Direkt Versicherungen

Herr Sprott, welche Vorteile hat es, eine Immobilie zu kaufen statt sie zu mieten?


Wenn sich Menschen für den Kauf einer Wohnung oder eines Hauses entscheiden, hat das ganz individuelle Gründe: Die meisten sehen im Erwerb einer Immobilie eine Geldanlage, eine Investition in die Zukunft. Statt jeden Monat 1.500 bis 2.000 Euro Miete für eine Wohnung mit hundert Quadratmetern zu bezahlen, was in den Ballungszentren heute keine Seltenheit mehr ist, zahlen sie lieber die Raten für das Wohneigentum ab, das dann irgendwann ihnen gehört. Die historisch günstigen Zinsen derzeit  sind natürlich ein weiterer Anreiz, sich den Traum vom Eigenheim zu erfüllen. Hat das Objekt eine attraktive Lage, die eine Wertsteigerung verspricht, kann der Immobilienkauf zudem als Kapitalanlage gesehen werden. Für manche ist es auch einfach eine Herzensangelegenheit: Für sie ist das eigene Haus oder die eigene Wohnung eine Art Heimathafen.

 

Wann ist es sinnvoll, zu kaufen statt zu mieten? 


Wer eine Immobilie kaufen möchte, sollte auf jeden Fall finanzielle Rücklagen haben. Potenzielle Käufer sollten sich darüber im Klaren sein, dass sie sich unter Umständen über viele Jahre an einen Ratenkredit binden. Es sollte also eine gewisse Planungssicherheit über die gesamte Finanzierungsdauer hinweg vorhanden sein. Sie müssen auch bedenken, dass die Zinsen nicht dauerhaft so tief bleiben. Aber auch dann müssen Sie den Kredit noch bedienen können. Bei einem Kredit, der über einen Zeitraum von zehn oder zwanzig Jahren läuft, könnte es dann passieren, dass Sie umfinanzieren und einen Vertrag zu schlechteren Konditionen abschließen müssen. Studierenden, Berufsanfängern oder Personen, die kein regelmäßiges und dem Darlehen angemessenes Einkommen haben, würde ich deshalb von einem Immobilienkauf abraten.

 

Welche Möglichkeiten zur Finanzierung hat ein Käufer?


Der klassische Weg einer Immobilienfinanzierung ist ein Hypotheken-Kredit: Die Eigentumswohnung oder das Haus wird als Sicherheit eingesetzt und geht an die Bank oder Versicherung, sollte der Kreditnehmer die Raten nicht mehr zahlen können. Je nachdem, was vereinbart wird, besteht die Option einer vorzeitigen Tilgung. Eine weitere Möglichkeit der Finanzierung ist ein Bausparvertrag. Wer also plant, irgendwann einmal zu bauen oder zu kaufen, kann mit einem Vertrag bei einer Bausparkasse Eigenkapital ansparen. Dazu muss er dann regelmäßig einen bestimmten Betrag einzahlen. Hat der Bausparer zum Beispiel nach sieben oder neun Jahren eine gewisse Summe auf seinem Depot, erhält er im Gegenzug einen günstigen Kredit. Generell rate ich dringend davon ab, eine Immobilie zu 100 Prozent zu finanzieren, ein gewisses Eigenkapital sollte immer vorhanden sein.

 

Gibt es einen Anhaltspunkt, wie viel Eigenkapital ein Käufer mitbringen sollte?


Ich formuliere es mal so: Je mehr Eigenkapital da ist desto besser. Aber 10 Prozent des Kaufpreises sollten es mindestens sein.

Ein Kredit ist aber immer auch mit einem Risiko verbunden. Was passiert,  wenn ein Kreditnehmer schwer erkrankt oder seinen Job verliert und die Raten nicht mehr zahlen kann?


Wer auf Nummer sicher gehen will, kann seinen Kredit gegen Berufsunfähigkeit oder auch Arbeitslosigkeit absichern. Allerdings sollte abgewogen werden, was da Sinn macht, weil in diesem Fall auch höhere Sollzinsen anfallen. Viel wichtiger aber ist aus meiner Sicht eine Absicherung für den Todesfall, ganz besonders für Familien. Denn stirbt der Hauptverdiener, steht der Partner plötzlich alleine da. Häufig muss die Familie die Immobilie dann verkaufen, weil die Ausgaben zu hoch sind.

 

Was ist beim Abschluss einer Risikolebensversicherung zu beachten?


Eine Risikolebensversicherung stellt sicher, dass die Hinterbliebenen finanziell abgesichert sind, wenn der Hauptverdiener stirbt. Die Absicherungssumme sollte dabei immer höher sein als die Hypothek, die man aufnimmt. Denn es ist ja nicht nur die Immobilie, die der Partner nun weiter abbezahlen muss; er muss nun auch für alle anderen Lebenshaltungskosten alleine aufkommen wie Lebensmittel, Versicherungen, Kfz-Kosten, Strom, Wasser, Müllabfuhr. Sind Kinder da, sollte man beim Abschluss auch mit einkalkulieren, dass eventuell eine Ausbildung oder ein Studium finanziert werden müssen. All diese Ausgaben sollten mit eingeplant werden, wenn man die Versicherungssumme festlegt. Deshalb sollte diese mindestens drei Netto-Jahreslöhne betragen. Familien empfehle ich, die fünffache Summe zu versichern.

 

Was kostet so eine Risikolebensversicherung?


Einen Risikoschutz erhält man schon für kleines Geld. So können Sie eine Summe von 100.000 Euro beispielsweise schon für einen Betrag von 2,75 Euro im Monat absichern.

 

Welche Versicherungen muss ich als Eigentümer generell verpflichtend abschließen?


Neben der gesetzlich vorgeschriebenen Brandversicherung ist eine Allgemeine Wohngebäude-Versicherung wichtig. Sie tritt in Kraft, wenn Reparaturkosten am Haus anfallen, zum Beispiel wenn nach einem Sturm Schäden am Dach entstehen oder Nachbars Baum aufs Haus fällt. Vergessen Sie dabei aber nicht, es der Versicherung mitzuteilen, sollten Sie Verschönerungs- oder Instandhaltungsarbeiten an der Wohnung oder am Haus vorgenommen haben. Denn eine neue Heizungsanlage oder ein neues Dach beispielsweise steigern den Wert der Immobilie und das sollte schriftlich dokumentiert werden.

In bestimmten Regionen sollten Hausbesitzer auch über eine Versicherung gegen sogenannte „Elementar-Gefahren“ nachdenken. Damit sind zum Beispiel Überschwemmungen gemeint, wie wir sie in den letzten Jahren als Folge des Klimawandels auch in Deutschland erleben mussten. Eine Flutkatastrophe, wie sie die Menschen in Passau oder an der Elbe heimgesucht hat, vernichtet auf einen Schlag Hunderte von Existenzen. Ein überschwemmtes Haus kann oftmals nur noch abgerissen werden. Ohne eine Versicherung stehen die Familien vor dem Nichts.

Was tun Besitzer einer Eigentumswohnung? Müssen sie dieselben Versicherungen abschließen?


Nein, dafür gibt es die Eigentümergemeinschaft. Die Eigentümer einer Wohneinheit schließen die Versicherungen gemeinsam ab und zahlen jeweils ihren Anteil daran.

 

Kann ich bestimmte Versicherungen vom Vorbesitzer übernehmen?


Ja, zum Beispiel hängt die Brandversicherung am Haus. Bei einem Eigentümerwechsel geht die Versicherung automatisch auf den neuen Eigentümer über, sofern dieser keine neue Versicherung abschließt.

 

Bevor man sich nun dafür entscheidet zu kaufen statt zu mieten – welche Überlegungen sollte man grundsätzlich anstellen? 


Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass der Erwerb einer Immobilie mit zusätzlichen Kaufnebenkosten verbunden ist: Nicht nur der Notar muss bezahlt werden, sondern auch der Eintrag des Besitzes beim Amtsgericht. Außerdem wird die Grunderwerbssteuer fällig. Aus den 200.000 Euro, mit denen man vielleicht kalkuliert hatte, werden dann schnell mal 250.000 Euro. Das darf man nicht aus dem Blick verlieren. Handelt es sich um eine gebrauchte Immobilie, kommt eventuell eine Makler-Courtage hinzu, die prozentual vom Wert der Immobilie bemessen wird. Generell sollte man sich vor dem Kauf einer Immobilie klar machen, dass „mietfreies Wohnen“ nicht „kostenloses Wohnen“ bedeutet. Denn mit dem Kauf allein ist es ja nicht getan: Ein Haus oder eine Wohnung muss ständig in Schuss gehalten werden – auch, wenn man bereits in Rente ist. Für größere Reparaturen oder Renovierungsarbeiten an Fenstern und Türen, Dach, Heizung oder Dämmung müssen immer Kapitalrücklagen zur Verfügung stehen. Kaufen oder mieten – am Ende ist das eine ganz individuelle Entscheidung, die jeder für sich persönlich abwägen muss.

Dieser Interview führte Franziska Grosswald

ÜBER FRANZISKA GROSSWALD

 

Franziska Grosswald ist Expertin im Bereich Content Marketing und Kommunikation. Als freie Journalistin und Redakteurin schreibt sie Beiträge für Zeitschriften, E-Magazines und Tageszeitungen. Hauptsächlich ist sie in den Themengebieten Healthcare, Tourismus und Automotive unterwegs.


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